Der Brunnen des Schöpferischen.

Künstlerisches und kreatives Schaffen haben eine lange Tradition in Arbogast. Blickt man in die Archive, so findet sich seit den Anfängen ein überaus buntes Programm. Einer, der seit Jahrzehnten künstlerische Werkkurse anbietet, ist der zeitgenössische Maler Alois Neuhold. Seine Gedanken zum schöpferischen Tun lesen Sie hier.

„Es gibt im Grunde nur Gebete,
so sind die Hände uns geweiht...“
R.M.Rilke


Kreatives Tun sehe ich als schöpferisches Tun, als ein Schöpfen aus tieferen Brunnen. Es ist kein Machen, Werken und Werkeln, kein Zeitvertreiben, kein Dahin- und Darauflos-Arbeiten. Kreativkurse haben für mich schöpferische Kurse zu sein. Sie nehmen Teil an den Schöpfungsprozessen des Lebens…
Sie sind zuerst einmal Wahrnehmung des Werkstoffes und Auseinandersetzung mit dem Material und somit Einführung und Einfühlung in die Stofflichkeit, Leiblichkeit und Materialität des Lebendigen überhaupt. Materie, jeder Stoff hat „Seele“. Das Werkmaterial, die Farben, der be-hand-elnde Stoff, die Kreativwerkzeuge sind keine tote Masse. Sie sind Leben. Sich Einfühlen ins Material und diesem die „Seele“ entlocken sind somit der erste wichtige Schritt im schöpferischen Tun.

Das kreative Tun selbst ist ein Eintauchen in einen PROZESS, in einen schöpferischen Prozess, in dem sich etwas ent-falten, ent-wickeln kann, beginnend beim urlebendigen Samenkorn-Punkt. Aus diesem Punkt entwickelt sich alles, erwächst die Pflanze des Kreativen und bringt reiche Frucht.
Ein gutes Schöpfungs-Klima ist dabei zu schaffen. Nur dieses lässt wirklich wachsen und gedeihen. Grund-Gelegtes, mein innerster Reichtum kann sich dann und daraus ent-falten. Unerwartetes, Unvorhergesehenes kann dabei geschehen und ankommen, Einfall und Zufall, die Gunst der Stunde können genützt werden. Schöpferisches Tun fordert meine Träume, meine Visionen, meine Energien heraus. Es weckt in mir verschüttete Ressourcen, lässt Neues, auch Niegeahntes entdecken. Es lässt mein EIGEN-stes, auch mein Innerstes zur Geltung kommen.

Schöpferisches Tun weckt in mir verschüttete Ressourcen, lässt Neues, auch Niegeahntes entdecken. Es lässt mein Eigenstes zur Geltung kommen.

Alois Neuhold

Ich kann im kreativen Tun GANZ wo eintauchen, aufgehen, dabei und drinnen, innen sein. Es kann mich zentrieren, konzentrieren, mehr zur Ruhe und zur Mitte führen, ganz bei mir und im innersten der Schöpfung seiend. Es verlangsamt meine Rasch-und-Ungeduld-Zeit in den Rhythmus meines/eines  angemessenen Maßes, in ein Gleichgewicht von schöpferischem Tun und schöpferischer Pause. Es ist auch ein Spiel und Spielen mit den ersten und „letzten Dingen“ (P. Klee) der Welt, spielend die Flach-Welten dieser Welt durchdringend.
Ja, es ist auch eine Spielwiese gegen alle Formen der Knechtung, Verkopfung, Verkrampfung und Verengung, auch ein Aufatmen und sich Lösen  aus fremden Zwängen und falschen Wünschen, spielend sich befreien. Alle Sinne sind dabei angesprochen und in Aktion. Es ist ein sinnliches Erlebnis. In ihm liegt SINN. Es ist kein Machen. Es ist ein GESTALTEN, der Mensch ein gestaltendes Wesen. Die Hände gestalten. So sind uns die Hände „geweiht“. Das kreative Gestalten wird somit auch Analogie zum Gestalten des eigenen Lebens…

Letztendlich und im geglückten Fall kann es uns zu spirituellen und transzendierenden Erfahrungen und Ein-Sichten führen: schöpferisch seiend haben wir Anteil und ein wenig Ein-Sicht in die Zusammenhänge der kosmischen Schöpfung und berühren vielleicht sogar für Augen-Blicke den Saum und den Hauch des ewigen Schöpfers, der ewigen Schöpferin…

Die "Malenden Einkehrtage" mit Alois Neuhold finden wieder von 5. bis 9. April 2020 statt.