Karfreitag.

Gedanken und Fragen, die mich beschäftigen, umtreiben in  dieser besonderen Zeit.

Wenn ich, Virus bedingt, auch mir wichtige Veranstaltungen schweren Herzens absagen, ausfallen lassen musste, mache ich die eigentümliche Erfahrung, dass dieses Runtergefahren werden, mir auch gut tut. Ich kann erleben, welchen Unterschied es macht, ob das Leistenmüssen mich treibt, oder ob ich einem inneren Anruf folgen kann. Ich habe den Eindruck das Leben will mich lehren, mich nicht  wichtiger zu nehmen, als ich bin.

Auf der anderen Seite tue ich mich mit den vielen Anordnungen, Beschränkungen, Verboten schon sehr schwer. Ich frage mich, ist es wirklich in dem Ausmaß notwendig. Ich glaube, dass völlig unterschätzt wird, was die Besuchsverbote  in KH , Heimen, Gefängnissen usw. für negative Folgen haben werden. Mir tut das Herz weh, wenn ich sehe, dass keine seelische Begleitung  für Kranke und Sterbende möglich bzw. erlaubt ist. Für mich ist es schwer erträglich, dass viele wichtige Themen, wie Menschen auf der Flucht, Armut, Umwelt, Rassismus, Meinungsfreiheit usw. nicht mehr vorkommen.

Wenn ich diese Gedanken äußere, weiß ich, dass ich mich dem Vorwurf aussetze, ein Verharmloser zu sein. Für mich steht außer Streit, dass die Pandemie außerordentliche Maßnahmen verlangt, aber das Leben des Menschen  ist nicht nur  ein medizinisches  Thema. Je umfassender der Mensch gesehen wird umso gesündere Lösungen werden wir finden.

Ich habe heuer einen großen Osterwusch, dass viele Menschen durch die Krise aufgerüttelt zu einer neuen Lebensbejahung kommen und so auch fähig werden zum anderen ja zu sagen, dass der Teufelskreis der Abwertung, des Bekriegens und der Vernichtung durchbrochen werden kann. Ich wünsche mir, dass viele Menschen die Erfahrung machen dürfen, dass die Angst (vorm Tod) nicht mehr das Lebensbestimmende ist.

P. Pepp Steinmetz, SVD

P. Pepp Steinmetz, SVD

P. Pepp Steinmetz SVD wurde in Dienten am Hochkönig (Salzburg) geboren. Nach seiner Weihe zum Priester wirkte der Steyler Missionar an unterschiedlichen Orten: in der Jugend- und Berufungspastoral in Vorarlberg und Mödling, in der Begleitung von Theologen in St. Gabriel, als Pfarrer in Wien, in der Seelsorge in Lassnitzhöhe und in Innsbruck in den Bereichen geistliche Begleitung, Exerzitien, Bibellebengruppen, Gefängnisseelsorge, Homosexuellenpastoral, Hospiz sowie in der pfarrlichen Arbeit. Seit 2014 ist er Seelsorger in St. Arbogast.